Sportler und ihre Tattoos: Der Körper als Kapital

Sportler und ihre Tattoos: Der Körper als Kapital
Bildquellenangabe: Siegfried Fries / pixelio.de

Sportler und ihre Tattoos – das geht unter die Haut

Tätowierungen können für ihre Träger Geheimnis und Bekenntnis zugleich sein. Im Sport wird ein Tattoo genutzt um den Sportlerkörper zu betonen. Ein Hochleistungskörper der als Leinwand dient.

Obwohl der Körper eines Sportlers sein wichtigstes Kapital und Instrument zugleich ist, wird über den Sportlerkörper in der Öffentlichkeit kaum gesprochen. Vielmehr wird über Taktik, Strategie und Vergleichswerte wie Zeiten, Höhen und Weiten gesprochen um die Leistung des Sportlers bewertet. Der menschliche Körper ist im Sport erst dann interessant, wenn er nicht mehr funktioniert und somit die geforderte Leistung nicht mehr erbracht werden kann.

Über den Menschen, hinter dem Sportler, wird wenig gesprochen. Vielleicht nutzen deshalb viele Sportler ihren Körper als Raum um Glück und Emotionen auszudrücken. Ob Tätowierungen im Sport häufiger vorkommen ist nicht erwiesen, aber sicherlich fallen Tattoos unter der meist knappen Sportlerkleidung mehr auf.

Die Macht über den eigenen Körper und über den eigenen Körper entscheiden zu dürfen, geht im Leistungssport oft auf Kosten von trainings- und ernährungswissenschaftlichen sowie medizinisch-therapeutischen Vorgaben verloren. Oft geben Tätowierungen dem Sportler die einzige Möglichkeit selbst über ihren Körper zu bestimmen. Somit unterliegen die Tattoos eher einem Kalkül. Tätowierungen als provokativer Schmuck.

Ausdrucksmittel Tätowierung als Modetrend im Sport?

Tätowierungen werden als bewusste Abweichungen von der Norm eingesetzt. Dieser Eingriff in den Körper widerspricht den sozialen Erwartungen und symbolisiert Leidensfähigkeit und Kraft. Der deutsche Turner Marcel Nguyen trägt zum Beispiel auf seiner Brust den Schriftzug “Pain ist temporary, pride is forever” (“Schmerz ist vorübergehend, Stolz bleibt für immer”).

Die Frage, warum sich Menschen Tätowierungen stechen lassen und warum sie welches Motiv wählen, hat gerade im Sport eine durchaus positive Folge. In Interviews mit Sportlern bietet sich dieses Thema immer als unverfängliches Gesprächsthema an.

Tätowierungen betonen einen Körper und machen Ihn in der Masse einzigartig. So hebt er sich aus der Uniformität der Mannschaftskleidung hervor.

Der ehemalige Handball-Star Stefan Kretzschmar galt mit seiner Vielzahl an Tattoos bei den Olympischen Spielen 1996 und 2000 noch als Außenseiter. Heute werden die tätowierten Sportler eher als Mitläufer gesehen. Die Sportler liegen bei der Wahl der Motive voll im Trend.

Tribals weichen zunehmend Bildern oder Schriftzügen mit ganz persönlichem Bezug. Es geht um Selbstverschönerung, Präsentation einer biografischen Besonderheit oder darum, sich als Mitglied einer Subkultur zu kennzeichnen.

Manchmal kann die Haut eines Sportlers wie ein offenes Buch gelesen werden. Die olympischen Ringe sind sicherlich die meistgesehene Tätowierung bei den Olympischen Spielen. Sie ist Verweis auf ein besonderes Erlebnis und symbolisiert Zugehörigkeit zu einer exponierten Gruppe.

Ästhetische Gründe liegen sicherlich dem kunstvoll geschwungenen Vogel zugrunde, den die italienische Schwimmerin Federica Pellegrini im Nacken trägt. Ebenso die Schmetterlinge auf dem Rücken der russischen Synchronschwimmerin Anastasia Dawydiwa oder dem Rücken der brasilianischen Schwimmerin Joanna Maranhao.

Überhaupt sind Tiere sehr beliebt. So kann der Träger Persönlichkeitseigenschaften betonen. Die deutsche Hochspringerin Ariane Friedrich trägt einen Tiger auf dem Rücken. Die rechte Lende des brasilianischen Beachvolleyballers Alison wird von einem Elefanten geschmückt. Auch Löwen und Drachen sind Motive die immer wieder zu sehen sind. Die Sportler machen damit ihre Haut zu einem sichtbaren Spiegelbild ihres Inneren. Immer häufiger werden die neuen Tattoos aber auch wieder entfernt. Auf tattoolos.com kann man sich den genauen Ablauf ansehen.